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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 1 – 2013

Konzeptuelles zum Wert der Kunst

12 Zett 1–13/ neue darstellungs- formate entstehen en passant Wie ein Text über den Umweg der Musik zu barer Münze werden kann. «The Law of Quality» – zum Entstehungsprozess des Konzeptstücks. Patrick Frank* Im Sommer 2010 fragte mich die Sängerin Julia Schiwowa, eine ehemalige Gesangsstudentin an der ZHdK, ob ich ein Stück zu ihrem Liederabend «Soll und Haben» beisteuern würde. Es handelte sich um ein Projekt für Klavier und Ge- sang zum Thema Geld, was mich sehr interessierte. Wenig später las ich einen Text von Wolfgang Ullrich mit dem Titel «Marktkunst» in «Lettre International 89». Nach der Lektüre wusste ich: Diesen Text würde ich in Kunst übersetzen. Die zentralen Thesen des Textes – denen ich zustimmte – sollten die Grundlage des Liedes für Julia Schiwowa werden. Gleich- zeitig war jedoch klar, dass die Einbindung des Themas nicht mit der Vertonung eines Textes erledigt sein sollte. Beim The- ma «Geld» sollte auch reales Geld fliessen. Wolfgang Ullrich beschreibt in seinem Text den Bedeutungs- wandel des Erhabenen. Weil das Erhabene im Anschluss an Kant während langer Zeit vor allem in den unendlichen Wei- ten der Natur gefunden wurde, geht Ullrich davon aus, dass es im Zuge der technischen Beherrschung der Natur seinen Ort verloren habe. Folglich müsse das Erhabene heute einen neuen Ort einnehmen, und dieser, so Ullrich, sei in den unend- lich hohen Kunstmarktpreisen zu finden: «Die Nennung des Preises ist das jüngste Mittel, um Bedeutung zu schaffen und die Wahrnehmung zu verändern – […] so gilt ein gezahlter – hoher – Preis geradezu als Beweis dafür, dass es sich wirklich um etwas Besonderes – um grosse Kunst – handeln muss.» Zahlt eine Käuferin oder ein Käufer eine hohe Summe, wird dadurch also das Werk als Kunstwerk erkenntlich und seine hohe Qualität ist garantiert. Musik einen Rahmen gegeben Im Anschluss an diese These Ullrichs machte ich mich da- ran, aus einem «normalen» Musikstück zum Thema Geld ein eigentliches Kunstmarktobjekt zu schaffen. Ich schrieb die fertige Komposition säuberlich von Hand ins Reine und stellte sie in einem aufwändig gefertigten Nussbaumrahmen aus. So stand das Objekt zum Kauf bereit. Das Spezielle am Bilderrahmen aber ist die Rückseite: Sie gewährt Einblick. Dies ermöglicht es dem Käufer – den ich als Qualitätsstifterin beziehungsweise Qualitätsstifter (QS) bezeichne –, auf der Rückseite der Partitur Namen und Unterschrift zu hinterlas- sen. Je nach Neigung kann der potenzielle QS somit entweder die Partitur oder seine eigene Unterschrift an die Wand hän- gen. Konzert/Performance von Mauro Hertig, Showroom Z+, März 2013. Foto: Simon Habegger

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