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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 1 – 2013

Hochschule / Zett 1–13 13 Alle Informationen zum Projekt inklusive Stand der Qualität und Liste der Qualitätsstifter finden sich unter www.lawofquality.com und www.patrickfrank.ch. * Patrick Frank ist Komponist und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theorie, Departement Kulturanalysen und Vermittlung (patrick.frank@zhdk.ch). showroom z+ Z+, die Plattform für disziplinenübergreifende Aktivitäten an der ZHdK, stellt mit dem aktuellen Jahresthema «Darstellungsformate im Wandel – Zur Aufführung von Musik» künstlerische Formatexperimente im Allgemeinen und musi- kalische Darstellungsformate im Speziellen zur Debatte. Inwiefern können andere Disziplinen aktiv mitgestaltend auf die Musik einwirken und inwiefern können sie musikalische Darstellungsformate – mit Sinngewinn – verändern? Das Jah- resthema wird von Z+ praktisch, theoretisch und künstlerisch verhandelt. Am Anfang stand eine internationale Tagung im September 2012 und seither fanden eine Forumsreihe zu Pro- jekten von Studierenden sowie mehrere Z-Module statt; zu- dem liegt eine Webpublikation* vor. Im Lauf des Jahres fördert Z+ durch finanzielle Beiträge Dozierende und Studierende, die das Thema erforschen. Die Ergebnisse der geförderten Projekte wurden im März erstmals vor zahlreichem Publikum und mit grossem Erfolg im Showroom Z+ vorgestellt. So fand beispielsweise die Arbeit «The Ketty La Rocca Lecture» von Sally Schonfeldt durch den Showroom Eingang in die aktuelle Ausstellung «Talk to the Hand» im Helmhaus, Zürich. Am 25. Mai findet ein zweiter Showroom Z+ statt. Wieder werden rund 20 Beiträge zeigen, wie heutige künstlerische Formatexperimente aussehen. Dazu gehören unter anderem ein telematisches Konzert, bei dem vier Musiker in San Di- ego und zwei in Zürich via Internet zusammenspielen; ein Fragebogentest, der festzustellen erlaubt, ob man KünstlerIn ist; ein Online-Comic zur interaktiven Mitgestaltung sowie ein Musikstück, das einen theoretischen Text vertont (siehe nebenstehenden Artikel von Patrick Frank). * Die Z+-Webpublikation «In Transition – Darstellungsformate im Wandel» (Gastbetreuung: Dorothee Richter) diskutiert die radikale Überschreitung von Formaten und Genres anhand von Projekten aus der Musik, der Bildenden Kunst, dem Theater, den neuen Medien, dem Modedesign, der Stadtplanung und der Theorieproduktion. Mit Beiträgen von Sven Lütticken, Marie-Luise Angerer, Helmut Draxler, Ruth Schweikert, San Keller, Angelika Fitz, geheima- gentur, Lucie Kolb u. a. http://darstellungsformate.zhdk.ch. Showroom Z+: Samstag, 25. Mai, 12–17 Uhr, Eintritt frei Haus Florhof, Florhofgasse 6, Zürich, Programm: http://zplus.zhdk.ch Im Weiteren galt es, das Verhältnis von Geldwert und Qualität schlüssig aufzuzeigen. Hierfür sah ich eine Tabelle vor, welche die Umrechnung eines Geldwertes in eine bestimmte Quali- tät erlaubt. Ich bestimmte verschiedene Stufen. Die unterste nannte ich Provinzkunst, und diese sollte zwischen 900 und 2844 Dollar kosten. Mit einem höheren Preis würde die Qua- lität des Werks auf die nächste Stufe steigen: Regionalkunst (3792–8988 Dollar). Und so fort über mehrere Stufen bis zur höchsten: Weltkunst (ab 100 000 Dollar). Die Regeln sehen vor, dass ein QS das Kunstobjekt jederzeit erwerben und es so lange behalten kann, bis ein neuer QS es zum angegebenen höheren Preis kauft. Dann erhält der erste QS den von ihm bezahlten Betrag zurück und ist mit 50 Pro- zent an der Preissteigerung beteiligt. Ein Beispiel: QS 1 zahlt 2000 Dollar, QS 2 zahlt 3000 Dollar. QS 1 werden 2500 Dollar ausbezahlt, aber er muss das Kunstobjekt an QS 2 weitergeben. Die restlichen 50 Prozent der Preissteigerung werden auf die gewinnbeteiligten Interpreten (30 Prozent) sowie auf eine «Law of Quality»-Zentrale (20 Prozent) verteilt. Gewinnbetei- ligte Interpretinnen und Interpreten sind Musiker, welche das Musikwerk zuletzt öffentlich aufgeführt haben. Sie bleiben so lange gewinnbeteiligt, bis neue Interpreten das Werk spielen. Nach jeder öffentlichen Aufführung können die Beteiligten darauf hoffen, dass das Kunstobjekt neue QS findet – denn bei jeder Transaktion verdienen sie mit. Qualitätssteigerung mit Hilfe von PR Aufgrund dieser konzeptionellen Anlage war es klar, dass das Drumherum für das Werk sehr bedeutend sein würde: Jede Pressemeldung, jeder Bericht und jeder «Name», der mit dem Projekt in Verbindung gebracht werden kann, trägt indirekt zur Qualitätssteigerung bei. Deshalb hielt ich es für nützlich, das Werk zu bewerben. Ich liess Commercials herstellen: kleine, professionell produzierte Werbespots nach eigenem Drehbuch. Der befreundete Filmemacher Mike Krishnatreya erklärte sich bereit, mit seinem Team die Commercials zu produzieren. Zu Beginn konnte ich nicht erahnen, welchen Umfang das Projekt – von Krishnatreya über den befreundeten Juristen, der den Vertrag für die Qualitätsstifter aufsetzte, bis zu den Stiftern selbst, die ihr Geld gewinnbringend investierten – annehmen würde. Ich hatte nur den Text von Wolfgang Ull- rich und die Absicht, die theoretischen Inhalte im Medium der Kunst zu entfalten. Dass daraus ein Format entstand, das die Grenzen des Musikwerks weit überschritt, ergab sich en passant. Aus einem kleinen Kompositionsauftrag wurde eine Arbeit, die erst aufhört, wenn der Kunstmarkt endet. Aktuelle musikalische Kunst, die durch ihre Konzeption auffällt, verfolgt oft die Strategie, alltägliche Inhalte real in den Kunstkontext zu setzen. Dadurch ergibt sich ein Überra- schungsmoment, weil der Alltag aus der Perspektive der Kunst betrachtet wird. Die Strategie ist in der Bildenden Kunst und imTheaterschonlängerbekannt,undoftentstehendabeineue Darstellungsformate. Diese sind niemals erzwungen, sondern sie ergeben sich im Verlauf der Arbeit an der künstlerischen Konzeption wie von selbst.

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