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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 1 – 2013

dende Veranstaltungen mit benachbarten Disziplinen wie zum Beispiel der Aerodynamik, Wissenschaftsgeschichte, Ästhetik usw. Zusammenarbeit nach dem Modell der Fahrkunst Die disziplinäre Konstellation wird dazu genutzt, die ge- meinsamen Interessen an Modellen in der Kunst, an der Ska- lierung und an der Geschichte der Windkanäle zu koppeln. Das Modell für die Kopplung stammt aus dem Bergbau und heisst «Fahrkunst». Es handelt sich hierbei um ein vertikales Beförderungssystem, bei dem zwei Leitern gegenläufig auf und ab pendeln. Wenn man im richtigen Rhythmus hin- und herwechselt, kann man in die Höhe befördert werden – oder in die Tiefe. In der Anwendung dieses Modells auf das Vorgehen des Projekts stellt die eine Seite der Fahrkunst eine objekt- und praxisbasierte Arbeitsweise dar, die andere Seite eine sprach- und konzeptbasierte. Das heisst, das Team betrachtet sein Problemfeld abwechselnd mit den Augen der Kunst und jenen der Kunstgeschichte und arbeitet abwechslungsweise in der Domäne der Objekte und jener der Sprache. Dabei geht es um die Schärfung des Gedankens ebenso wie der disziplinären Formulierungen, die durch den Rhythmus der Medienwechsel gefordert und entwickelt werden. Gesucht: Projekte für den Windkanal Das erste Resultat ist der Windkanal selbst. Er wurde kürzlich fertiggestellt und erste Tests haben begonnen. Studierende und Dozierende aus allen Bereichen sind eingeladen, Projekte vorzuschlagen, die sie im Windkanal durchführen möchten. Entsprechend der Auslastung der Anlage können dann Ter- mine vergeben werden. * Prof. Dr. Florian Dombois ist Leiter des Forschungsschwerpunkts Trans- disziplinarität (florian.dombois@zhdk.ch), Dr. Reinhard Wendler ist Dozent und Wissenschaftlicher Mitarbeiter (reinhard.wendler@zhdk.ch), beide im Dept. Kulturanalysen und Vermittlung. Forschungsschwerpunkt transdisziplinarität Der Forschungsschwerpunkt Transdisziplinarität bietet Raum für die künst- lerische und wissenschaftliche Produktion und Reflexion. Es ist ein Ort, an dem sich unterschiedliche Haltungen, Praxen und Methoden aus den Künsten und Wissenschaften gleichberechtigt begegnen. Erstes zentrales Thema sind Modelle und ihre verschiedenen Erscheinungsformen. Dabei geht es um die konkrete künstlerische Modellproduktion, aber auch um theoretische Fragen wie zum Beispiel: Was ist ein Modell – und was ist kein Modell? In welchem Verhältnis stehen Modell und Modelliertes? Inwiefern lässt sich an Modell und Modellierung ein zeitgenössischer Kunstbegriff schärfen? Es ist ein grundsätzliches Anliegen, die Künste als Komplement zum wissen- schaftlichen Forschungsverständnis ernst zu nehmen und zu entwickeln. Dabei handelt es sich um eine Gratwanderung, bei der auf der einen Seite die allzu einfache These lockt, dass alle Kunst schon Forschung sei, und auf der anderen Seite die Schleifung der Künste entlang wissenschaftlicher Standards droht. Die Auslotung des spezifischen Potenzials der Künste lässt den Forschungsbegriff nicht unberührt, sondern sucht explizit auch nach neuen Formen des Wissens. Dieser Ansatz lässt sich sowohl aus künstlerischer als auch aus wissenschaft- licher Perspektive motivieren. Der Forschungsschwerpunkt Transdisziplinarität wurde im Herbst 2011 ge- gründet und ist im Departement Kulturanalysen und Vermittlung angesiedelt. http://fsp.trans.zhdk.ch Forschungsschwerpunkt transdisziplinarität Der Forschungsschwerpunkt Transdisziplinarität bietet Raum für die künst- lerische und wissenschaftliche Produktion und Reflexion. Es ist ein Ort, an dem sich unterschiedliche Haltungen, Praxen und Methoden aus den Künsten und Wissenschaften gleichberechtigt begegnen. Erstes zentrales Thema sind Modelle und ihre verschiedenen Erscheinungsformen. Dabei geht es um die konkrete künstlerische Modellproduktion, aber auch um theoretische Fragen wie zum Beispiel: Was ist ein Modell – und was ist kein Modell? In welchem Verhältnis stehen Modell und Modelliertes? Inwiefern lässt sich an Modell und Modellierung ein zeitgenössischer Kunstbegriff schärfen? Es ist ein grundsätzliches Anliegen, die Künste als Komplement zum wissen- schaftlichen Forschungsverständnis ernst zu nehmen und zu entwickeln. Dabei handelt es sich um eine Gratwanderung, bei der auf der einen Seite die allzu einfache These lockt, dass alle Kunst schon Forschung sei, und auf der anderen Seite die Schleifung der Künste entlang wissenschaftlicher Standards droht. Die Auslotung des spezifischen Potenzials der Künste lässt den Forschungsbegriff nicht unberührt, sondern sucht explizit auch nach neuen Formen des Wissens. Dieser Ansatz lässt sich sowohl aus künstlerischer als auch aus wissenschaft- licher Perspektive motivieren. Der Forschungsschwerpunkt Transdisziplinarität wurde im Herbst 2011 ge- gründet und ist im Departement Kulturanalysen und Vermittlung angesiedelt. http://fsp.trans.zhdk.ch Bild links: Forschungsteam vor Windkanal, © Florian Dombois Das Projekt «Size Matters» widmet sich Modellen aus den Künsten und Wissenschaften als transdisziplinäre Objekte par excellence. Im Vordergrund steht dabei die Skalierung als Er- kenntnistechnik – ebenfalls ein transdisziplinäres Forschungs- feld. Im Windkanal werden diese beiden Themenkomplexe bildlich zusammengeführt und in Experimenten auch auf ihr Zusammenspiel hin erforscht. Ein Hauptziel des Projekts ist die experimentelle und theoretische Beschreibung der Wech- selwirkungen zwischen ästhetischen und physikalischen Ska- lierungseffekten an Windkanalmodellen. Diese stellen einen pointierten transdisziplinären Fokus dar, an dem exemplarisch deutlich wird, wie sich verschiedene Disziplinen in Fragen des Modells und der Skalierung begegnen, überschneiden und ineinander übergehen. Unter anderem wird der Begriff des Modells auf seine konzeptuelle Nähe zum Begriff des Kunst- werksbefragt.DieModelledienendabeiselbstalsModelleines reflektierten Austauschs zwischen den Disziplinen. Flugzeug als Symbol für Beschleunigung Wir gehen davon aus, dass ästhetische und physikalische Ska- lierungseffekte zueinander in Beziehungen stehen und sich im Sinn der kunstgeschichtlichen und künstlerischen Forschung erkunden und beschreiben lassen. In dieser Überzeugung fol- gen wir György Kepes, der unter dem Schlagwort der «Crisis of Scale» auf die Lücke zwischen der «Exploding Scale» der wissenschaftlich-technologischen Entwicklung des 20. Jahr- hunderts und den gesellschaftlich vorherrschenden Anschau- ungsmodellen hingewiesen hat. Durch das von ihm gegrün- dete Center for Advanced Visual Studies des Massachussetts Institute of Technology MIT sollten die «New Scales» mit grossen Kunstwerken im öffentlichen Raum fassbar gemacht werden, die als verkleinerte Modelle fungieren. Als Beispiel nennt Kepes Verzerrungen an einem Windkanalmodell eines Flugzeugs, die den besonderen Bedingungen des verkleiner- ten Modells, des modèle réduit in den Worten Claude Lévi- Strauss’, Rechnung tragen. Mit dem Flugzeug bringt Kepes einen Akteur ins Spiel, der als einer der Hauptverantwort- lichen für die Exploding Scale des 20. Jahrhunderts gelten kann. Dessen aerodynamische Optimierung ist ingenieurtech- nische Notwendigkeit und zugleich visuelles Symbol einer gesamtgesellschaftlichen Beschleunigung. Kepes findet den künstlerischen Lösungsansatz für das Verständnis der New Scales also keineswegs zufällig in den aerodynamischen Scale Effects, sondern greift einen der Akteure der wissenschaftli- chen und technologischen Entgrenzung heraus. Wir folgen Kepes im Hinblick auf diese Schlüsselrolle der Skalierung, fragen jedoch nach neuen Ansätzen, um mit der Crisis of Scale umzugehen. Anstelle einer Vergrösserung künstlerischer Ar- beiten gilt unser Interesse einer kontrapunktischen Strategie der Langsamkeit, der Verkleinerung und der Kritik. Das heisst, wir begeben uns an einen der Startpunkte der Moderne, als zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeitgleich die Windkanäle und die avantgardistischen Bewegungen ihren Anfang nah- men, um diese auf antimachistische Alternativen zu befragen. Im engeren Projektteam arbeiten ein Künstler und ein Kunst- historiker zusammen mit einem künstlerisch und einer kunst- historisch Promovierenden, und diese Arbeitsgruppe ergänzt sich über ein internationales Netzwerk und jährlich stattfin- Kulturanalysen und Vermittlung/ Zett 1–13 17

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