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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 1 – 2013

Gespräch mit Jill Scott

worüber forschen z-node- doktorierende? Monika Codourey, Doktorandin, im Gespräch mit Jill Scott, Leiterin des Z-Node-Doktoranden- programms.* Monika Codourey: Wie hat Z-Node angefangen und wo liegen die Schwerpunkte heute? JillScott:Z-Node(Zürich-Node)startete2004alsForschungs- kooperation zwischen dem Institute for Cultural Studies in the Arts (ICS) an der ZHdK und der University of Plymouth. Aus den anfänglich fünf PhD-Forschenden von Z-Node ist eine Forschungsgruppe von 18 Teilnehmenden entstanden. Heute fokussieren wir drei Forschungsschwerpunkte: «Kunst und Umweltwissenschaft», «Kunst und Computerwissen- schaften»und«KunstundSoziologie,Psychologiebeziehungs- weise Neuropsychologie». Wir situieren diese im Kontext der Cultural Studies als Rahmen für eine Reflexion von Wissens- und Forschungskulturen. PhD-Forschende am Z-Node konzentrieren sich stärker auf Naturwissenschaften als ihre Kolleginnen und Kollegen am Planetary Collegium in Plymouth. Warum ist das so? Wir leben in einer Zeit grosser ökologischer Umwälzungen und sozialer Mobilität mit den damit verknüpften kontro- versen Folgen und Herausforderungen. Die Doktorandinnen im Z-Node suchen Zugang zur naturwissenschaftlichen For- schung, um ihre praktischen Interpretationen besser zu un- termauern. Im Laufe der letzten zehn Jahre haben wir mit dem Artists-in-Labs-Programm ein weiteres Programm am ICS durchgeführt und konnten ein Netzwerk zu Naturwissen- schaftlern aufbauen, von denen heute einige die Zweitbetreu- ung der Z-Node-Doktorierenden übernehmen. Warum sollte ein Künstler oder eine Designerin über kritische und ethische Diskurse in der Wissenschaft promovieren? Manche Künstlerinnen und Designer fühlen sich verantwort- lich, soziale und ethische Perspektiven aus ihrer subjektiven Position heraus zu kommentieren. Unsere Aufgabe im Z-Node ist es nicht, Wissenschaft zu illustrieren oder gar dafür zu werben. Im Gegenteil, wir versuchen eigene Positionen zu beziehen und prozessorientierte oder alternative Perspektiven anzubieten. Können Sie Beispiele für Forschungsarbeiten im Bereich Kunst und Umweltwissenschaft beschreiben? Tiffany Holmes konzipierte beispielsweise ihre eigene Ökovi- sualisierungssoftware, um die Erhaltung natürlicher Ressour- cen zu fördern (Bild 1). Diese Software lieferte den Benutzern eines Bürogebäudes oder an öffentlichen Plätzen täglich ein visuelles Feedback in Form einer Medienkunstinstallation vor Ort. Tiffany Holmes sowie auch Andrea Polli wollen Umwelt- bewusstsein durch Kunst fördern. Das bringt uns zu der Frage, ob die neue Technologien bezie- hungsweise sozialen Medien mithelfen können, ein isoliertes Umfeld zu vernetzen? Der Beitrag von Medienaktivist Trebor Scholz zu neuem Wissen liegt unter anderem in seiner kritischen Analyse des Internets und der sozialen Medien sowie deren Bezug zur Ar- beitstätigkeit. Der Bereich Kunst und Computerwissenschaft interessiertauchandereDoktorandenwieHungKeung(Bild2), Jürgen Moritz und Louis-Philippe Demers. Wie generiert die Z-Node-Gruppe «neues Wissen» für die Schnittstellen der Kunst zur Soziologie und Psychologie bezie- hungsweise Neuropsychologie? In dieser Gruppe engagieren sich vier Doktorandinnen: Kirsten Johannsen, Sandra Hoffmann, Ellen Levy und Nicole Ottinger. Für sie ist es interessant, kritisch zu betrachten, wie Experimente in Neurowissenschaften und Psychologie prak- tisch durchgeführt werden, um ihre Hypothesen zu bestäti- gen oder zu analysieren. Die Designerin Sandra Hoffmann erforscht beispielsweise die typografische Synästhesie. Sie untersucht, ob die Kombination aus visueller Kommunikation und Neuropsychologie den Designern helfen könnte, verschie- dene Ansätze und Auffassungen der Synästhesie zu nutzen (Bild 3). Sind es vor allem Künstlerinnen oder auch Designforscher? In unserer Z-Node-Gruppe lassen sich die Designerinnen nur schwer von den Künstlern unterscheiden. Karmen Franinovíc ist Sounddesignerin und Leiterin der Vertiefung Interaction Design an der ZHdK. In ihren Forschungen zum Sonic In- teraction Design (Bild 4) ging es um Psychoakustik. Andreas Schiffler dagegen war früher tatsächlich Physiker, wurde dann aber 1995 Spieledesigner am Zentrum für Kunst und Medien- technologie in Karlsruhe. In seiner Doktorarbeit schreibt er über ein Teilgebiet der Entwicklung von Computerspielen, bei der Physik in einer interaktiven Computersoftware ein- gesetzt wird. Was erforschen Ihre gegenwärtigen PhD-Studierenden? Bei uns promovieren derzeit zehn Studierende. Wir arbeiten intensiv mit wissenschaftlichen Labors zusammen, zum Bei- spiel mit dem Institut für Integrative Biologie der ETH Zürich, an dem Dr. Angelika Hilbeck mit unseren Studierenden (Aviva Rahmani, Brandon Ballengee, Eugenio Tiselli) den Bereich Umweltwissenschaften auslotet. Wir haben auch PhD-For- scherinnen (Teresa Chen, Juanita Schläpfer-Miller, Monika Codourey), die sich für die sozialen und psychologischen Aus- wirkungen einer räumlichen Veränderung interessieren und in ihrer Arbeit kulturelle Unterschiede untersuchen. Arbeiten Sie auch mit anderen Hochschulen zusammen, die ähnliche Programme ins Leben rufen wollen? Ja, einerseits kommen immer wieder Gastdozierende zu Be- such und andererseits waren wir in jedem Jahr in einem ande- ren Institut zu Gast, um dort Seminare oder Minikonferenzen abzuhalten. Wir waren unter anderem an der Monash-Univer- sitätinMelbourne,derNan-Young-UniversitätinSingapurund der Concordia-Universität in Montreal. Diese Universitäten haben uns eingeladen, das Potenzial von Kunstdoktoranden- 20 Zett 1–13 / Kulturanalysen und Vermittlung

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