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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 1 – 2013

Barbara-David Brüesch inszeniert Horvath

wie ist es heute mit der liebe? Die Churerin Barbara-David Brüesch inszeniert das Bachelor-Abschluss- projekt «Die Stunden der Liebe» nach Ödön von Horvath. Kein Stück, sondern eine Projektarbeit, wie sie sagt. Was genau damit gemeint ist, erläutert sie im Gespräch mit Mani Wintsch*. Mani Wintsch: Was für ein Stück haben Sie gewählt? Barbara-David Brüesch: Ich möchte mit den Stu- dierenden Figuren aus verschiedenen Stücken und Erzählungen von Ödön von Horvath heraus- schälen und zusammenführen. Grundsituation des Abends wird eine Bar sein, in der dann zum Beispiel Elisabeth aus «Glaube Liebe Hoffnung» auf den Kasimir trifft – oder Marianne einem Al- bert aus «Die Unbekannte an der Seine» begegnet. Die Entscheidung gegen einen bestehenden Text liegt an meinem Interesse, die verschiedenen Lie- beskonstellationen, die uns in Horvaths Texten begegnen, gemeinsam mit den Studierenden zu untersuchen und auf das Heute hin zu befragen. Das Liebesverhalten der Figuren ist bei Horvath deshalb interessant, weil es in beson- derem Masse mit den ökonomischen Umständen verknüpft wird. «Glaube Liebe Geld» könnte man in Anlehnung an sein Stück «Glaube Liebe Hoffnung» sagen. Romantische Liebe wird zwischen Horvaths Figuren vergebens gesucht, es exi- stiert nur die Sehnsucht nach ihr. Sie hat keinen Platz in einer von Wirtschaftskrise und Armut beherrschten Zeit. Die Frage ist, ob die jungen Leute heute, zum Beispiel Studierende der Hochschule, in diesen Abgesang auf die romantische Liebe einstimmen: Wie ist es heute mit der Liebe? Inwieweit wird sie von den Bedingungen des Marktes bestimmt oder wie roman- tisch ist sie oder wollen wir sie haben? Welche Liebesideale verfolgen wir – welche Liebeskonzepte leben wir? Diesen Fragen werden wir auch mittels Fremdtexten und Interviews nachgehen. Das Ziel ist es, Spielmaterial zu gene- rieren, das die heutigen Erwartungshaltungen an Liebe und GlückineinVerhältniszuHorvathsSichtsetzt:«Manwirftmir vor, ich sei zu derb, ekelhaft, zu unheimlich, zu zynisch und was es dergleichen noch an soliden, gediegenen Eigenschaften gibt – und man übersieht dabei, dass ich doch kein anderes Be- streben habe, als die Welt zu schildern, wie sie halt leider ist.» Was interessiert Sie speziell an Horvath? Horvath zeigt auf, wie der Mensch durch die äusseren Bedin- gungenverformtwirdundsichdabeiimmerweitervonseinem Ideal, seinem Wunsch, wie er sein möchte, entfernt. «Eigent- lich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu.» Die Figuren und Geschichten sind tieftraurig, durch das Spezielle seiner Sprache aber auch poetisch und witzig. Die Horvath’sche Sprache setzt die Figuren immer in Distanz zu dem, was sie sagen. So werden sie automatisch zu Kunstfi- guren, haben jedoch ganz reale Probleme. Das macht sie plas- tisch und dennoch in einem positiven, poetischen Sinn fremd. Ist es das erste Mal, dass Sie mit Schauspielstudierenden eine Inszenierung erarbeiten? Ja, in dieser Form schon. Ich hatte zwar ab und zu eine Studen- tin oder einen Studenten als Gast bei einer Inszenierung dabei, Darstellende Künste und Film / Zett 1–13 27 «Ich freue mich darauf, mit Studierenden eine Inszenierung zu erarbeiten.» Foto: josschmid.com

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