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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 1 – 2013

waren extrem lehrreich. Im zweiten Jahr war das jede Woche ein anderer Kameramann, dem man über die Schul- tern schauen konnte. Die unterschiedlichen Arbeitsweisen haben mir gezeigt, dass es kein «Richtig» und «Falsch» gibt, sondern dass es auf den eigenen Stil und die Intuition ankommt. Das hat mein Selbstvertrauen und Selbstver- ständnis als Kameramann sehr gestärkt. Auf die Gefahr hin, dass du als individualistischer Kameramann keine Antwort hast… Was sind deine filmischen Vorbilder? Nenn mir drei Filme, die du gerne selber gemacht hättest. Drei Titel. Ohne Kommentar. «Manhattan». «Apocalypse Now». «Fanny and Alexander». Eine ziemliche Stilbreite: ein fünfstündiges Familiendrama, ein dreistündiger Kriegsfilm und eine neunzigminütige Ro- mantic Comedy. Apropos, wo stehst du jetzt in deiner Lauf- bahn als Kameramann? Hm, ich habe das Gefühl, du bezweckst etwas Bestimmtes. Also, seit meinem Abschluss 2011 habe ich ein paar Kurz- filme gedreht und im Sommer meinen ersten Spielfilm, der jetzt in der Postproduktion steckt. Gratulation! Was ist es geworden, dein Erstlingswerk? Ein abendfüllender Film eben – eine Romantic Comedy. Das wolltest du hören, nicht? Richtig. Ja, schon lustig, wenn man bedenkt, dass meine bisherigen Arbeiten meist Dramen waren. Romcoms sind vielleicht nicht genau mein Filmgeschmack. «Manhattan» sozusagen! Ja, fast. Der Arbeitstitel ist «First Love». Es geht um einen an Liebeskummer leidenden Omelettier. Einen Mann, der Omelettes macht? Genau, ein Omelettier ver-arbeitet seine Teenage-Liebe und gerät in eine Reihe von haarigen Begegnungen und Situ- ationen. Es ist eine Art Goofball Comedy, schwungvoll und ja, was soll ich sagen? Es fühlt sich einfach gut an, meine erste grosse Kiste hinter mir zu haben. Auch wenn es eine Romcom ist. Wie verdienst du dein Geld? Hast du neue Kamera- projekte oder kellnerst du? Nein, kellnern muss ich nicht. Was nicht heisst, dass ich schon einen Lexus fahre. Aber ein Vorteil von L.A. ist, dass man immer recht schnell einen Job im Kameradepartement findet, um die nächste Monatsmiete zu bezahlen. Es gibt hier einfach eine ungeheure Anzahl von Werbefilmen, Spiel- filmproduktionen und Musikvideos. Und wie kommst du an die Jobs, die du dir als ambitionierter Kameramann wünschst? Mit Talent und harter Arbeit, hoffe ich. Und glücklichen Zufällen. Dazu braucht es viel Geduld, weil du nicht weisst, ob das heute, morgen oder erst in einem Jahr sein wird. Aber man hofft halt, dass ein Produzent zum Beispiel an einem Festival auf deine Arbeit aufmerksam wird und mit dir arbeiten will. Du hungerst dich also durch, bis Hollywood dir die Türen öffnet? Im Moment lebe und arbeite ich in L.A., ja. Aber für die Zukunft ist es mein Ziel, dass ich für die richtige Geschichte überallhin gehen kann, dass ich auch mit Leuten aus Zürich anknüpfen kann. Könnte ich mir einen Kameramann aus Hollywood überhaupt leisten? Oder müsste ich meinem Budget eine weitere Null anfügen? Natürlich! Wir können jederzeit ins Gespräch kommen. * Lorenz Suter absolvierte den Master Film und ist Unterrichtsassistent in der Fachrichtung Film im Dept. Darstellende Künste und Film (lorenz.suter@zhdk.ch). Darstellende Künste und Film / Zett 1–13 29 «Es kommt auf den eigenen Stil und die Intuition an.» Foto: Elizabeth Kitchens

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