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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 1 – 2013

Zsolt Nagy und die ungarische Musikkultur

diesen Projekten entstandenen Ideen und Entwicklungen konnten sowohl aufgrund der zeitlichen Beschränkung als auch der – in erster Linie publikationsbasierten – Zielvor- gaben nur bedingt in der künstlerischen Praxis konkretisiert werden. Die wenigen künstlerischen Realisierungen – etwa die interaktive Installation «Flowspace» 2009 in Zürich und 2010 in San Francisco – offenbaren völlig unterschiedliche künstlerische Strategien. Dies zeigt, dass das künstlerische Potenzial der Projektideen nur durch einen längerfristigen und einem grösseren Personenkreis zugänglichen Prozess in angemessener Weise ausgeschöpft werden kann. DasImmersiveLabverfolgtdiesenAnsatz,indemeseinerbrei- teren künstlerischen Gemeinschaft eine technisch ausgereifte Infrastruktur für die Realisierung immersiver und installativer Arbeiten zur Verfügung stellt. In Residencies und durch die Verwirklichung von Arbeiten des ICST-Teams entsteht ein Repertoire, das heisst eine künstlerische Praxis, in deren Rah- men unterschiedliche Arbeitsweisen aufeinandertreffen. Die EinbettungderindividuellenKonzepteineinegleichbleibende Installation erlaubt es, die künstlerischen Prozesse und deren Realisierungen miteinander zu vergleichen – sowohl während der Entwicklung wie auch in der Rezeption. Das betrifft zum Beispiel die Frage nach der Rolle der taktilen Interaktion. Im Immersive Lab wird sie zur dynamischen Erzeugung und Ver- änderung von Bild und Ton in einer panoramischen Installati- onsform eingesetzt. Wie baut sich eine Arbeit auf, welche diese Modalität von vornherein als Grundbedingung erfasst? Wie kann Aufmerksamkeit in einer Situation gestaltet werden, in der sich die Inhalte der Besucherin oder dem Besucher nicht bloss frontal, sondern räumlich verteilt zeigen? Erkenntnisse für weitere Forschungsprojekte Der Erfahrungs- und Erkenntnisgewinn, der im Rahmen des Immersive Lab entsteht, wird sowohl durch Ausstellungen nach aussen getragen wie auch durch die Anbindung an wei- tere, für die ZHdK relevante Forschungsprojekte vorangetrie- ben. Ein Beispiel dafür ist die Verbindung mit dem SINLAB- Projekt der Kooperationspartner Institute for the Performing Arts and Film (IPF) und Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne. Und im Z+-Projekt «Räume der Aufmerksamkeit» werden in einer Zusammenarbeit zwischen dem IPF, dem ICST und der Vertiefung Interaction Design der ZHdK die grundlegenden Fragestellungen des Immersive Lab aus wei- teren Perspektiven angegangen. * Prof. Germán Toro-Pérez ist Leiter des Institute for Computer Music and Sound Technology (ICST) (german.toro-perez@zhdk.ch), Daniel Bisig und Jan Schacher sind Wissenschaftliche Mitarbeiter des ICST (daniel.bisig@zhdk.ch) (jan.schacher@zhdk.ch), Departement Musik. Institute for Computer Music and Sound Technology Das Team des ICST wird im «Who is Who» auf Seite 54 vorgestellt. Der Dirigent Zolt Nagy lernte neben Klavier auch Flöte, Kontrabass, Schlagzeug und Trompete. «es geht beim musizieren letztlich um leben und tod» Im Mai spielt das Orchester der ZHdK unter dem Titel «A Space Odyssey» und unter der Leitung des ungarischen Dirigenten Zsolt Nagy drei bedeutende Orchesterwerke des 20. Jahrhunderts von Anton Webern, Leoš Janáček und György Ligeti. Lehel Donáth* unterhielt sich mit Zsolt Nagy über Aspekte der ungarischen Musikkultur. Lehel Donáth: «Ein Ungar kommt selten allein»heisst ein hu- morvolles Buch von Georg Kövary. Ein geflügeltes Wort besagt zudem, dass zwei Ungarn auf einer einsamen Insel drei Par- teien gründen würden. Heute mag man dies als Ausdruck der Polarisierung und der Zerstrittenheit in der ungarischen Ge- sellschaft deuten. Musikalisch gesehen ist diese Haltung aber eher ein Spiegel von Kreativität und Fantasie. Welche Bedeu- tung hat Ihre ungarische Herkunft bei Ihrer musikalischen Tä- tigkeit? Zsolt Nagy: Es gibt noch ein weiteres Bonmot: «Wenn du einen ungarischen Freund hast, brauchst du keine Feinde mehr.» Aber im Ernst: Es ist angenehmer über ungarische Musik als über aktuelle Tagespolitik zu sprechen. Meine ungarischen Wurzeln sind mir in der Tat sehr wichtig bei m einer Tätigkeit. Einerseits basiert die ungarische Musikkultur auf dem sehr breiten und reichhaltigen Fundament der zum Teil uralten Volksmusik, andererseits wurde während meiner Ausbildung an der Musikakademie der Kammermusik sehr grosses Ge- wicht beigemessen. Fortsetzung auf Seite 36

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