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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 1 – 2013

Kunst & Medien / Zett 1–13 39 Ist die Reflexion über die Erfahrung wichtiger als das Produkt? Das Verfassen eines Berichts für «Zett» bot den Studierenden aus Zürich nochmals Gelegen- heit, über das Erlebte nachzu- denken. J. Z.: Was bedeutet es, als Künstlerin oder Künstler an einen solchen Ort zu gehen? O.: Die ganze Situation war extrem, dabei ist die Kunst oft in den Hintergrund getreten. Schon beim Vorbereitungsge- spräch wurde klar definiert, dass wir dort keine humanitäre Hilfe leisten wer- den. Und doch hatte ich immer wieder das Gefühl: Jetzt kippen wir gleich, wir müssen doch was tun für die Leute. J. Z.: Eine Hilfsperson weiss, was zu tun ist, und wäre auf die Situation nie so eingegangen wie wir. Wir hatten andere Interessen, da wir kein Ziel hatten. Wir waren selber unwissend und waren auf die Hilfe der Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung angewiesen. F.: Wenn es darum geht, künstlerisch tätig zu sein, geht man aus eigenem Interesse an einen solchen Ort. Da geht es um Erfahrung. Und die Erfahrung kann ich ja nicht ohne die Leute aus der Siedlung machen. T. W.: Ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, dort zu leben, und bin dabei krank geworden. Ich kam immer wieder an einen Punkt der Hilflosigkeit. Diese sah man auch um uns herum. T. M.: Ich glaube, es hat für uns einen grösseren Unterschied gemacht, dass wir dort waren, als für die Leute, die dort leben. O.: Wir haben einmal in einem Haus von Frauen gefilmt und ihnen erklärt, was wir mit einer Szene ausdrücken möchten. Sie meinten, ihnen gefalle, wie wir ihre Situation darstellen wollten. Ich hätte diese Reaktion nicht erwartet. Sie mein- ten: «Ihr seht, wie es uns geht. Wir finden das gut.» J. Z.: Gab es auch Grenzen, mit denen umgegangen werden musste? O.: Wir waren auch mit moralischen Grenzen konfrontiert, zum Beispiel als T. sagte, er wolle Müll sammeln. Wir So fragten einige Studierende nach den Heimatorten der Flüchtlinge, verglichen deren geografische Lage mit einer im Weltall existierenden Sternenkonstellation und entwickelten daraus Texte und Aktionen; andere nähten gemeinsam mit einheimischen Frauen einen Wandteppich, der von Erinne- rungen, Träumen und Alltagssituationen erzählt; wieder an- dere malten auf einem Schotterweg Markierungen für eine Bushaltestelle. Da die Anlage der Siedlung der Entstehung eines öffentlichen Raumes entgegenlief, befassten sich einige Kunstinterventionen mit diesem Thema. * Selin Bourquin studiert in der Vertiefung Fotografie (selin.bourquin@zhdk.ch), Franziska Koch ist Leiterin Vertiefung Bildende Kunst (franziska.koch@zhkd.ch), Dagmar Reichert ist Dozentin in der Vertiefung Bildende Kunst (dagmar.reichert@zhdk.ch), Julia Znoj studiert in der Vertiefung Bildende Kunst (julia.znoj@zhdk.ch); alle Bachelor Medien & Kunst im Departement Kunst & Medien. Foto-Shooting am Rande des Camps (Arbeit von Julia Gehrig)

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