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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 1 – 2013

Das Lager für Flüchtlinge aus Südossetien liegt unmittelbar an der Waffenstillstandslinie. befürchteten, dass dies so wirken könnte, als wolle er die Leute der Siedlung be- lehren. J.: Ich finde es problematisch, zu rück- sichtsvoll mit Menschen umzugehen, die aus unserer Sicht weniger privi- legiert sind als wir. Für mich verbirgt sich hinter solchem Denken immer auch eine westliche Arroganz. Haben wir das Recht, anderen Menschen Informationen vorzuenthalten, um sie zu schützen oder zu steuern? F.: Ich wurde von georgischen Wissen- schaftlern gefragt, inwieweit wir uns ohne biografischen Hintergrund mit so einem Ort auseinandersetzen könnten. Doch meiner Meinung nach haben wir nicht nur unsere direkte Erfahrung, sondern auch eine ernst zu nehmen- de mediale Erfahrung über Konflikte und Kriege. D.: Natürlich kann man das als Neokolo- nialismus ansehen: Warum kommt ihr überhaupt nach Georgien, die Georgier sollen sich mit ihren Problemen selbst befassen. Darin liegt ein Teil Wahrheit, es gibt ja auch bei uns genügend Dinge, um die wir uns kümmern müssten. Aber auf der anderen Seite stört mich der Gedanke, dass Georgien nur die Georgierinnen und Georgier betreffen soll. Es macht mir etwas aus, wenn es irgendwo auf der Welt schlimm zu- geht, und warum soll ich dazu nicht etwas sagen? S.: Eine Frage ist noch, wie wir im Nach- hinein mit den entstandenen Produkten umgehen wollen. Ist die Reflexion über die Erfahrung wichtiger als das Produkt? O.: Ja, auf jeden Fall. Unser angesam- meltes Filmmaterial, das bis anhin noch keine fertige Form angenommen hat, ist für mich eine Last. Deshalb will ich unsere Zeit in Georgien jetzt anhand der Bearbeitung des Materials noch einmal durchleben. Am gemütlichsten wäre es gewesen, ohne Material nach Hause zu kommen. F. D.: Aber vielleicht müssen wir den Begriff Produkt differenzierter anschau- en. Es gab Arbeiten, die eher Versuche waren, solche, die eine temporäre Sicht- barkeit hatten, und solche, die erst im Nachhinein zu einem Produkt wer- den konnten… J. Z.: Bei unserer Arbeit ging es darum, anhand einer von uns konstruierten, künstlichen Situation etwas über den Ort herauszufinden, das wir als etwas Wahres lesen können. Dafür war es wich- tig, in der Gruppe eine Arbeitsweise zu entwickeln, die es uns erlaubte, mit spielerischen Mitteln in einen sehr komplexen Ort einzutreten. Aber nun können alle von uns das Material für ihre eigenen Arbeiten nutzen. J. G.: Das Produkt, das wir hergestellt haben, ist mir gar nicht wichtig. Die Arbeit war nur ein Mittel, um mit den Menschen in Kontakt zu treten. Ich fühlte mich unter Druck, Kunst machen zu müssen. Ich wäre am liebsten ein- fach dort gewesen, um zum Beispiel mit einer mir nahestehenden Familie Zeit zu verbringen. S.: Für mich ist es schön, dass wir den Dorfbewohnerinnen und -bewohnern eine Fahne übergeben haben und sie dort gehisst und zurückgelassen haben. Teilnehmende Studierende und Dozierende: Shima Asa, Nanka Bagaturia, Selin Bourquin, Clifford Bruckmann, Tinatin Davadze, Nona Davitaia, Galaktion Ersitavi, Julia Gehrig, Marekh Gorgiladze, Anna Gzirishvili, Olivia Haggenmacher, Natia Kapanade, Nino Khurosh- vili, Niko Kobaidze, Franziska Koch, Mutsa Metreveli, Thomas Moor, Linda Pfenninger, Dagmar Reichert, Sally Schönfeldt, Aleksi Soselia, Paula Tyliszczak, Tim Wandelt, Tamara Widmer, Julia Znoj

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