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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 1 – 2013

Interview mit dem Präsidenten der Kulturmeile Zürich West

52 Zett 1–13/ Toni-Areal ein gutes pflaster für kunst- schaffende mit geschäftssinn Christoph Gysi präsidiert die Vereinigung Kultur- meile Zürich West seit der Gründung 2002. Etwas mehr Geschäftssinn würde den jungen Kunstschaffenden gut stehen, findet Gysi, der sich auf die neuen Nachbarn im Toni-Areal freut und bedauert, dass es erst 2014 so weit ist. Interview und Bild: Caroline Süess* Caroline Süess: 2014 wird sich das Toni-Areal mit 5000 Stu- dierenden und Mitarbeitenden füllen. Die Arbeitsbevölkerung in Zürich-West wird damit um rund einen Fünftel zunehmen. Welche Veränderungen erwarten Sie? Christoph Gysi: Die 5000 Personen werden ja nicht alle gleich- zeitig anwesend sein. Für einen Stadtteil, der bald eine so grosse Arbeitsbevölkerung haben wird wie die Stadt Fribourg Einwohnende, ist ein Hochschulstandort dieser Dimension durchaus angemessen. Mit der Ankunft der Studierenden wird die Infrastruktur richtig in Fahrt kommen. Wo es jetzt noch relativ tot ist, zwischen dem Stadion Letzigrund und der Hard- turmstrasse, wird es mehr Erdgeschossnutzungen geben. Die bestehenden Läden und Einrichtungen werden besser laufen. Was wünschen Sie sich von der ZHdK am neuen Standort? Dass es wuselt vor Studierenden, dass es Events gibt, die wei- tere Kreative und Kulturschaffende anziehen. Die ZHdK zieht in eine Nachbarschaft, in der es schon ein reges Kulturleben gibt – das Junge Schauspielhaus Zürich, das Konzertlokal Moods, die Maag-Halle, Museen, Kunstgalerien und Design- shops. Es gibt sehr viele Veranstaltungsorte, nicht nur die der öffentlichen Hand. Ich hoffe, dass überall vermehrt Studieren- de zu sehen sein werden – auf der Bühne und im Publikum. Ich wünsche mir auch, dass die ZHdK an der kooperativen Entwicklungsplanung des Stadtteils partizipiert. Die Mitglie- der der Vereinigung Kulturmeile Zürich West gestalten das Lebensgefühl in Zürich-West mit, hier ist die Hochschule sehr willkommen. Kleine Einheiten und Nischen, in denen sich Kunst und Kultur mit wenig Kapital organisieren können, fehlen. Kann Zürich- West für die Studierenden mehr sein als eine Durchgangsstati- on in ihrer Ausbildung? Ich halte nicht viel von prophylaktischem Jammern. Natürlich wird es für die Studierenden eine Herausforderung sein, direkt vor der Haustür auf renommierte Kunst- und Kultureinrich- tungen zu treffen. Ich hoffe aber, dass diese Umgebung die zukünftigen Künstlerinnen und Künstler dazu anregt, ihre eigenen Sachen zu zeigen und mit ihren Ideen an die Öffent- lichkeit zu treten. Es ist doch so: Wer nicht im etablierten Kulturbetrieb arbeitet, muss sich selbstständig durchschlagen. Man muss fähig sein, mit wenigen Mitteln viel zu machen, die Leute abzuholen und für seine Projekte zu begeistern. Diese Art von Geschäftssinn ist sehr wichtig, gerade in der Kreativwirtschaft. Ich habe ihn bei jungen Kunstschaffenden öfter schon vermisst. Hier im Quartier werden die Studieren- den mit dem Business konfrontiert werden. Auch zukünftige Arbeitgeber sind in Zürich-West ansässig. Ich hoffe, dass die Studierenden in dieser Umgebung Anregungen erhalten, wie sie ihre Inhalte und Ideen vermitteln und verkaufen kön- nen. Zürich-West ist ein guter Startort. Kunstschaffende wie Pipilotti Rist, Urs Fischer, die Freitag-Brüder und Sophie Hun- ger wurden hier inspiriert. Sollen auch Touristinnen und Touristen den Weg nach Zürich- West finden? Ja. Das Faltblatt «Zurich West Urban Walk Map», das einen mitnimmtaufeinenzweistündigenhistorischenQuartierrund- gang, geht weg wie nichts im Tourist Service am Hauptbahn- hof. Schön, dass auch die ZHdK eine grössere Menge bei uns bezogen hat! Viele internationale Reisejournalisten beginnen ihre Stadtführung hier. Oft sind sie erstaunt, wie chaotisch es im sauberen Zürich sein kann. Hier entdecken sie, dass Zürich nicht nur eine Bankenstadt ist, sondern auch ein Kreativspot. Als Geschäftsführer des Restaurants Les Halles wissen Sie, was in Zürich-West gegessen wird. Was würden Sie im Toni- Areal auf die Speisekarten setzen? Etwas Gesundes und Nachhaltiges, das gleichzeitig erschwing- lich ist für die Studierenden, denn die essen dort, wo es am günstigsten ist. Suppen sind etwas Gutes. Eine Toni-Suppe… Da müsste es Milchprodukte drin haben… zum Beispiel Käse, halbharten, der gerade am Vergehen ist. Eine gute Idee wäre auch ein Borschtsch mit Sauerrahm. * Caroline Süess ist Projektleiterin Hochschulkommunikation im Rektorat (caroline.sueess@zhdk.ch). Christoph Gysi bringt seine vielfältigen Interessen in Zürich-West unter ein Dach. Der ausgebildete Ingenieur-Agronom präsidiert die Vereinigung Kulturmeile Zürich West, ist Geschäftsführer des Restaurants Les Halles und arbeitet als freischaffender Grafiker und Fachpressejournalist. vereinigung Kulturmeile zürich West Die Vereinigung Kulturmeile Zürich West wurde 2002 gegründet und zählt rund 40 Mitglieder – vom grössten Arbeitgeber in Zürich-West, der Zürcher Kantonalbank, über die Betriebsgemeinschaft Im Viadukt, das Schauspielhaus Zürich, die Maag-Halle und die IQ Bar bis hin zu Privatpersonen. Die Verei- nigung setzt sich ein «für die Erhaltung des urbanen Lebensgefühls mit post- industriellen Einflüssen, für weniger Transitverkehr und für ein florierendes Gewerbe». www.kulturmeile.ch vereinigung Kulturmeile zürich West Die Vereinigung Kulturmeile Zürich West wurde 2002 gegründet und zählt rund 40 Mitglieder – vom grössten Arbeitgeber in Zürich-West, der Zürcher Kantonalbank, über die Betriebsgemeinschaft Im Viadukt, das Schauspielhaus Zürich, die Maag-Halle und die IQ Bar bis hin zu Privatpersonen. Die Verei- nigung setzt sich ein «für die Erhaltung des urbanen Lebensgefühls mit post- industriellen Einflüssen, für weniger Transitverkehr und für ein florierendes Gewerbe». www.kulturmeile.ch Christoph Gysi, Präsident der Vereinigung Kulturmeile Zürich West, an seinem Arbeitsplatz, einem Gemeinschaftsbüro an der Heinrichstrasse.

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