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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 1 – 2013

56 Zett 1–13 leute eine alumna auf zwei konti- nenten Ein netzhdk-Mitglied, das 1986 schon einen Master-Abschluss gemacht hat und seither Alumna ist? Gibt’s das? Nicht wenn man sein Studium damals nur in der Schweiz machte. Rosina Zoppi hat aber zuerst in den USA studiert und dort kennen- gelernt, was bei uns erst viel später eingeführt wurde. Christian Ledermann* Rosina Zoppi kommt aus einem bildungs- bürgerlichen Haushalt wie er im Buch steht. Eine Apothekerfamilie, man hörte zu Hause klassische Musik und reiste jährlich zur Oper nach Verona. Selbstverständlich lernten die beiden Töchter ein Instrument, Rosina zuerst Blockflöte, dann Klavier und schliesslich auch Cello. Nach ihrer Stunde korrepetierte ihre Klavierlehrerin jeweils einen Sänger. Und Rosina, damals eine Gymischülerin, blieb sitzen und hörte zu. Denn was sie hörte, war ihr Instrument. Nicht Cello oder Klavier war es, auch wenn sie bis heute beim Begleiten ihrer Schülerinnen und Schüler Klavier spielt und immerhin noch ein Cello besitzt. Gesang, das war es für sie. Und so nahm sie Unterricht bei der Gesangslehrerin Beatrice Husmann, mit der sie ihre Klavierlehrerin in Kontakt brachte. In den USA die Scheuheit ablegen Allerdings beharrten ihre Eltern darauf, dass sie nach der Matur erst mal «einen rechten Beruf» lerne: Arztgehilfin. «Wirk- lich einfach der nächstbeste Job», so Rosina heute. Während ihrer Lehre, die mehr Pflicht als etwas anderes war, nahm sie immer Gesangsunterricht und belegte Schauspiel- und Sprechtechnikkurse. Esther De Bros, noch heute Sprechtechniklehrerin an der ZHdK, war es, die fand, ein Studium in den USA würde ihr guttun. «Weil ich so scheu war.» Und die USA sollten das kurieren. Weil eine Kollegin an die Rice University in Houston, Texas, ging, bewarb sich Rosina ebenfalls mit einer Kassette – und wurde aufgenommen. Der Einstufungstest für den Theorieunterricht lief noch nicht optimal («E major? I-Dur? Was soll denn das sein?»), doch bald war Rosina komplett integriert in die Klasse und die Kultur, nicht zuletzt, weil ihre Professorin Virginia Babikian sich fast mütterlich um sie kümmerte. «Zoo Züri, Zoppi» In Houston studierten damals vorwiegend Amerikaner, und Rosina Zoppi war als Nicht- amerikanerin schon ein bisschen exotisch. Als sie 1986 mit einem Master of Music Voice Performance in die Schweiz zurückkehrte, dauerte es einige Zeit, die Verbindungen aufzubauen und Kontakte zu knüpfen, ohne die ein Existieren als freischaffende Musikerin nicht möglich ist. Nebenjobs im Kinderspital, beim Radio und sogar im Zoo Zürich (als Assistentin des Direktors musste sie jeweils Telefonanrufe mit «Zoo Züri, Zoppi» entgegennehmen, was sie noch heute zum Lachen bringt) hielten sie anfangs über Wasser. Sie war auch einige Male an Opernhäuser vorsingen, wäre dort aber, wie sie meint «jeweils eher unter- als aufgegan- gen». Darauf gründete Rosina kurzerhand ihre eigene Operncompany, die «Oper im Knopfloch», die seit 13 Jahren in Zürich bekannte und unbekannte Opernwerke im Kleinformat mit wenigen Musikerinnen und Sängern auf die Bühne bringt. Daneben ist sie in weiteren Kammermusik- und Vokal­ ensembles tätig und unterrichtet an der Pädagogischen Hochschule Zürich und an der Kantonsschule Zürich-Nord. Und weil Rosina Zoppi 2003 an der dama- ligen Hochschule Musik und Theater HMT im Liedkurs bei Daniel Fueter studierte, ist sie heute Alumna auf zwei Kontinenten. * Christian Ledermann leitet die Geschäftsstelle von netzhdk, der Alumni-Organisation der ZHdK (christian.ledermann@zhdk.ch). Rosina Zoppi als Popova aus «The Bear» von Willi- am Walton 2011. Foto: Bernhard Fuchs

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