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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 1 – 2013

Elke Bippus – ein Porträt

immer der neugier nach Rollenspiel: Elke Bippus pendelt zwischen Lehre und – wenn immer möglich – Forschung und deckt damit ein breites Spektrum unterschied- licher Tätigkeiten ab. Gerne würde sie sich vermehrt mit unserer Auffassung von Wissens- kultur auseinandersezen. Ein Porträt von Ruth Schweikert* In drei verschiedenen Rollen habe ich Elke Bippus erlebt: Am Infotag (Donnerstag, 22.11.) als Co-Leiterin der Vertiefung Bil- dende Kunst, am Abend darauf als Mitarbeiterin des Instituts für Theorie (ith) und am Morgen des 26. November als (Theo- rie-)Dozentin – ein breites Spektrum doch recht unterschied- licher Tätigkeiten (und Fähigkeiten, die dabei gefragt sind), aber genau das interessiert Elke Bippus in ihrer Arbeit: das Zusammenspiel von Theorie und (Kunst-)Praxis, von Lehre undForschung.SoempfindetsiedieeinzelnenTätigkeitsfelder nicht als voneinander getrennt, sondern einander notwendig zugehörig;derAustausch,derWissens-undMethodentransfer zwischen Wissenschaft und Kunst, Praxis und Theorie sind ihr zentrale Anliegen. Das wird auch an ihrer Biografie deutlich. So hat Elke Bippus ab Mitte der 1980er-Jahre Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft (stark philosophisch orientiert) studiert, aber gleich ihre erste Stelle an einer Kunsthochschule angetreten; schon damals war Ästhetik ein Interessens- und Forschungsschwerpunkt (zurzeit widmet sich das ith Fra- gen zur «Ästhetik der Existenz»), ausserdem war sie ein Jahr lang Assistentin der wichtigen deutschen Konzeptkünstlerin Hanne Darboven (1941–2009), über die sie zuvor ihre Magi- sterarbeit verfasst hatte. Wichtig sind die Fragestellung und das (Erkenntnis-)Interesse Wenn Elke von der Aufarbeitung des Archivs der damals schon schwer erkrankten Hanne Darboven erzählt, spürt man den grossen Respekt, den sie der Künstlerin (und allgemein künst- lerischer Arbeit) entgegenbringt. Ich könnte mir vorstellen, dass Hanne Darbovens Selbstverständnis als Künstlerin, der hohe Abstraktionsgrad ihrer Arbeit (in einem komplexen Verfahren generierte Hanne Darboven aus biografischen und geschichtlichen Ereignissen Zahlenreihen, die sie von Hand auf Tausende von Blättern übertrug, womit sie dem Chaos des Lebens ein gigantisches Ordnungssystem gegenüberstellte, dessen Fragilität und Vergeblichkeit sich nur umso deutlicher offenbarte – dies meine auf das Internet und die dort zugäng- lichen Werkabbildungen gestützte, notwendig verkürzte Dar- stellung) Elke Bippus näher liegt als unmittelbar emphatische, vielleicht weniger reflektierte Kunstformen. So betont sie am Infotag denn auch, das Wichtigste an einem Bewerbungsdos- sier seien nicht die allenfalls bereits ausgebildeten technischen (oder expressiven) Fertigkeiten, sondern die Fragestellungen, das (Erkenntnis-)Interesse der künftigen Studierenden; davon wolle man etwas sehen, eine Vorstellung der Richtung, in die jemand arbeiten will. Und so überzeugt sie an der Vertiefung Bildende Kunst an der ZHdK, dass die Studierenden sich (im Gegensatz zu vielen Kunstakademien) nicht bereits auf ein Medium festlegen müssen, Malerei, Installation, Skulptur usw.; vielmehr sollen die Studierenden das geeignete Medium für ihre Fragestellungen erst im Laufe des Studiums finden, sollen also weniger einer Vorliebe für eine bestimmte Tätigkeit folgen als vielmehr ihrer Neugier an gesellschaftlichen und anderen Fragen nachgehen, die dann zu einem Werk, einer bestimmten Form künstlerischer Auseinandersetzung erst hinführen. Arbeit mit dem Text Der Aufbau des Bachelors, die enge Verbindung zwischen Theorie und Praxis war denn auch der Hauptgrund, weshalb sie sich vor rund sieben Jahren an der ZHdK beworben hat, obwohl ihr Leben seither zweigeteilt ist: Während des Se- mesters lebt sie in Zürich, in der unterrichtsfreien Zeit mit ihrem Mann in Hamburg. Von ihrer Zürcher Wohnpartnerin erzählt sie denn auch im Rahmen einer Textbesprechung mit Studierenden aus dem ersten Semester: Die sechzigjährige Frau irritiere noch heute ihre betagte Mutter, da sie nicht das Bild einer «richtigen» Frau, sprich einer verheirateten Frau und Mutter, erfülle. Die Verbundenheit und der Einsatz für mehrere nichtfamiliäre Patenkinder der engagierten Gotte könne offensichtlich nicht vergleichsweise den Stellenwert eines biologischen Mutterseins erlangen. Der besprochene Text ist von Judith Butler, und er untersucht Feminismus und Postmoderne, indem er die Frage nach den (impliziten und expliziten) Voraussetzungen jeder Theorie stellt und dafür plädiert, diese als kontingent und damit als notwendig verhandelbar darzustellen. So verfährt Butler auch mit dem Begriff «Subjekt», den sie grundlegend kritisiert, wes- halb sie von solchen Feministinnen Kritik erfuhr, in deren Augen die «Frau» zu Recht den «Subjektstatus» eingefordert hat, um ihre (politische) Handlungsfähigkeit zu reklamieren: Butler problematisiert den Subjektbegriff dagegen als «Kon- struktion, als vorgegebene oder normativ als Grundlage die- nende» Prämisse und stellt fest, dass es insofern entscheidend sei, «nach den Bedingungen der Möglichkeit dieser Hand- lungsfähigkeit zu fragen». Der Text ist ziemlich anspruchsvoll für die 18 Studierenden und löst viele Fragen aus, auch Unmut; warum können wir nicht von der Norm ausgehen, fragt einer der Studierenden, Hochschule / Zett 1–13 07

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