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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 2 – 2015

Fokus: Die ZHdK im internationalen Austausch / Zett 2–15 15 UmandereBedeutungenundFremdeszubeobachten,müssen wir nicht zwingend nach China reisen, was Perec ja zeigt. Kulturelle Diversität ist das Kernmerkmal moderner Gesell- schaften schlechthin, auch wenn es aktuell in Europa ge- rade en vogue ist, ihr Ende auszurufen. Von der Soziologin Benita Luckmann stammt der Begriff der «kleinen sozialen Lebenswelten», in denen wir uns bewegen und die uns auch verändern: Wir verhalten uns an der Hochschule anders als in der Freizeit, im Unterricht anders als in der Pause, in einer Vorlesung anders als in der Werkstatt, im Supermarkt anders als in einer Bar im Kreis 4. Diese «kleinen sozialen Lebens- welten» transformieren uns, zumal humane Identität ja nichts Substanzielles ist, sondern etwas, was immer in einem Bezug zu einer sozialen Umwelt steht. Bis zu einem gewissen Grad müssen wir aus der situativ gül- tigen Wirklichkeit heraustreten, um das zu sehen, was sie verdeckt. Es ist allerdings nicht so, dass der Supermarkt uns «täuscht», denn dies würde implizieren, dass sich dahinter eine ontologische Essenz verbirgt. Aber worin sollte diese bestehen? Es wäre Verkürzung beziehungsweise ein ökono- mischer Reduktionismus, den Supermarkt ausschliesslich als Objektivation von Marktmechanismen und einer monetari- sierten Wirtschaft zu verstehen. Er ist – wie die Orange bei Strauss – weitaus mehr: Er «ist» in der Tat auch das arbiträre Durcheinander von Farben, Lichtern und Dingen, das unser Zeitreisender in ihm sähe. Die eine Perspektive lässt sich nicht gegen die andere ausspielen. Es gibt keine Hierarchisierung von Wahrheiten und kein Heraustreten aus Platons Höhle; wohl aber gibt es – ganz besonders in interkulturellen Kon- texten – eine Pluralisierung der Perspektiven. * Francis Müller ist Dozent für Ethnografie und Kultursoziologie im Bachelor und Master Design, Departement Design, Forscher am Institut für Theorie, Departement Kulturanalysen und Vermittlung, sowie Lehrbeauftragter an der Universität St. Gallen und an Universitäten in Mexiko (francis.mueller@zhdk.ch). Am 26. und 27. November 2015 findet als Kooperation zwischen Z+ und dem Dossier Internationales der Showroom International statt. In der Ausstellung sowie in Workshops werden Fragen von Differenzerfahrung und daraus resultierendem Kontingenzbewusstsein verhandelt und partizipatives Vorge- hen in den gezeigten Projekten zur Diskussion gestellt. www.zhdk.ch/showroom www.zhdk.ch/zplus www.zhdk.ch/international Der Supermarkt – ein arbiträres Durcheinander von Farben, Lichtern und Dingen. Foto: Angela Wittwer

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