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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 2 – 2015 - It’s a Political Issue

Reflexionen zum Forschungsbegriff an Kunsthochschulen

24 Zett 2–15 / Hochschule It’s a Political Issue Die Tagung «Art Schools and Artistic PhD – Reality and Necessity» mit namhaften Exponentinnen und Exponenten inter­nationaler Kunsthochschulen beschäftigte sich mit den Grundlagen, Best Practices und politischen Konsequenzen eines Forschungsbegriffs in den Künsten. Reflexionen zur Tagung und zur in der Schweiz heiklen Thematik von Christoph Brunner* Selten hörte man die Wörter politisch und Politik so häufig wie während der zweitägigen Konferenz zur Lage der künst- lerischen Promotion an Kunsthochschulen in der Schweiz und im internationalen Kontext. Das Thema der Forschungs- tagung an der ZHdK nahm sich eines gegenwärtig heiss de- battiertenDiskursesanKunst-undFachhochschulen,Univer- sitäten und Bildungsministerien weltweit an. Die Frage nach dem Politischen zeigt sich hier gleich auf mehreren Ebenen: So umfasst das Unterfangen 3. Zyklus an Kunsthochschulen sowohl Organisation und Setzungen seitens der Hochschulen sowie ihrer staatlichen Trägerinnen als auch weitreichende inhaltliche Entscheidungen im Bezug auf Definitionen von künstlerischer Praxis und ihren Wissensformen gegenüber den Geistes- und Naturwissenschaften. Globale Probleme – lokale Lösungsansätze Fokus der Tagung, so legt es der Untertitel nahe, war, mithilfe konkreter Praxisbeispiele Einblicke in die Realität des 3. Zy- klus als Teil der Kunstausbildung zu eröffnen. Darüber hinaus wurde der Anspruch deutlich, Perspektiven für zukünftige Entwicklungen aufzuzeigen und – aus schweizerischer Sicht – von anderen Kulturkontexten und bereits etablierten Pro- grammen für anstehende Aufgaben zu lernen. Eine beeindru- ckende Liste internationaler Schlüsselfiguren eröffnete tiefe Einblicke in die politischen, pragmatischen und inhaltlichen Prozesse, die die Einführung künstlerischer Promotionen mit sich bringt. Deutlich wurde, dass die Probleme und Chancen eines solchen Unterfangens gleichermassen über Landesgren- zen und Disziplinen hinaus geteilt werden, die spezifischen Vorgehensweisen jedoch immer auf den lokalen Kontext zugeschnitten sein müssen. Etablierung eines 3. Zyklus ist zeitintensiv Johann Haarberg, ehemaliger Direktor des norwegischen Programms zur künstlerischen Forschung, verdeutlichte an- hand der Entwicklung eines 3rd-Cycle Fellowship Program den langwierigen Prozess der Etablierung und Akzeptanz künstlerischer Forschung im 3. Zyklus. Es lassen sich drei Kernaspekte hervorheben. 1) Der zeitliche Horizont zur wirklichen Einführung eines solchen nationalen Förderpro- gramms, das sich an einzelne Kunsthochschulen andockt, belief sich im Falle Norwegens auf mindestens 15 Jahre. 2) Ein 3. Zyklus an Kunsthochschulen muss sich auf deren UnabhängigkeitvonuniversitärenPromotionsformenberufen und seine eigenen Peers sowie Evaluationskriterien entwi- ckeln. 3) Projekte der künstlerischen Forschung müssen einen klaren Rückbezug auf das künstlerische Praxisfeld vorweisen und hier neue Perspektiven eröffnen. Diese Ansichten teilten auch Haarbergs Kolleginnen Efva Lilja und Paula Crabtree aus Schweden. Für Aussenstehen- de wurde ersichtlich, dass die politische Relevanz eines 3. Zyklus in den Künsten mit der Bildung einer eigenstän- digen künstlerischen Forschungskultur und ihren besonde- ren Setzungen einhergeht. Es geht dabei nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern viel eher um ein disziplinen- übergreifendes Projekt, in dem sowohl diskursive Elemente künstlerisch-forschender Praxis hervorgehoben werden als auch neue Elemente der Evaluation und Wissensprodukti- on entstehen. Dementsprechend sprach Haarberg auch von Projekten, die sich im Kunstfeld positionieren und hier ihre Wirkkraft entfalten sollen. Um solche neuen Ebenen mit dem nötigen Rückhalt in der Politik sowie mit gesellschaftlicher Relevanz zu versehen, bedarf es, so Haarberg, nicht nur der Für Aussenstehende wurde ­ersichtlich, dass die politische Relevanz eines 3. Zyklus in den Künsten mit der Bildung einer eigenständigen künst­ lerischen Forschungskultur und ihren besonderen Set- zungen ­einhergeht.

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