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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 2 – 2015

Hochschule / Zett 2–15 25 Kriterien Originalität, Kohärenz und Kommunizierbarkeit, sondern auch eines entsprechenden Lobbyings mit konsis­ tenter Argumentation. Diese «Entwicklungsarbeit» muss sich auf Kunsthochschulen als autonome Partner auf Augenhöhe mit anderen Universitäten stützen und bedarf der Einbindung des internationalen Diskurses zum 3. Zyklus. Neben den genannten Rednerinnen und Rednern bot insbe- sondere James Elkins Einblicke in das mittlerweile global aktive Feld der künstlerischen Forschung und der Entwick- lung eines 3. Zyklus in den Künsten auf fast allen Kontinenten, unter anderem in den USA, den meisten europäischen Län- dern, aber auch in Australien, Südafrika, Japan und China – wenn auch mit blinden Flecken wie zum Beispiel Kanada. Es wird deutlich, dass die Doktorwürde nur ein Aspekt des Vorhabens 3. Zyklus ist, dem die weitaus relevanteren Aspekte einer international vernetzten künstlerisch-forschenden Ge- meinschaftmitdenKünstenentsprechendenavanciertenPro- jekten zur Seite stehen. Auf politischer Ebene lässt sich der 3. Zyklus in den Künsten mit dem Anspruch zukunftswei- sender Forschung an Universitäten gleichsetzen. Denk- und Sprachkulturen als Hürden Wie sehen solche zukunftsweisenden Forschungsvorhaben in den Künsten aus und welchen Kriterien sollen sie genügen? Diese Fragen lassen sich unterschiedlich beantworten. Als wiederkehrender Bezugspunkt wurde in vielen der Vorträge die Fähigkeit zur Reflexion und Kontextualisierung in – nicht ausschliesslich – diskursiven Formen genannt. Wissenspro- duktion in den Künsten bildet einen weiteren Brennpunkt der Diskussionen, der oft durch nicht rein diskursive Wis- sensformen, zum Beispiel durch sinnliches Wissen oder Tacit Knowledge(spezifischesWissenderPraxisundderPraktizie- renden), erweitert wird. Eine der anspruchsvollsten Aufgaben für die Projekte künstlerischer Forschung liegt sowohl in der Festlegung von Kriterien mit entsprechendem Spielraum für deren Auslegung als auch der konkreten und fallbezogenen Umsetzung. Insbesondere die von PhDs vorgestellten Vorha- ben verdeutlichten dies. Neben den unterschiedlichen Struk- turen der einzelnen PhD-Programme ist die Singularität jedes Projekts ein intrinsisches Evaluationselement. Wie schafft man es, seine Peers in der künstlerischen Community zu er- reichen und zugleich die Inhalte an ein weiteres Publikum zu vermitteln, ohne die nötige Präzision einzubüssen? Ein zen- traler, bisher weniger durchdachter Aspekt liegt dabei in den unterschiedlichen Denkkulturen, die sich nicht nur zwischen künstlerischen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, sondern auch zwischen den Sprachkulturen ergeben. Dies liess sich gut am Beitrag von Rania Khali erkennen, die – nordamerikanisch geprägt – mit der Verhandlung kulturthe- oretischer Inhalte auf ein europäisches (hermeneutischeres) Theorieverständnis stiess. Hinzu kommt die Frage nach dem Verhältnis zwischen diskursiven Kommunikationsformen und der eigentlichen künstlerischen Exposition, wie sie zum Beispiel in der teils musisch-performativen Präsentation des Norwegers Mattis Kleppen erkenntlich wurde. Wer ein PhD- Projekt in der künstlerischen Forschung anstrebt, sieht sich somit nicht nur mit dem eigenen künstlerischen Tätigkeitsfeld konfrontiert, sondern muss sich auch mit der Neuauslegung klassischer akademischer Wissensformen befassen. Forschen ist experimentell und ungewiss Deutlich wurde so, dass künstlerische Forschung als Pra- xis und Programm vor allem politisch verstanden werden muss – politisch im Sinne einer Theoriepolitik, die die Do- minanz besonders geistes- und naturwissenschaftlicher Forschungsbegriffe durchkreuzt und kritisiert; und zugleich «practice-based research» als eigenständige Wissensform forciert. Jedoch sollte sich die Form der Politik nicht nur bei den Gemeinplätzen von Bildungsministerien und Hochschul- konferenzen aufhalten, sondern hat, wenn sie denn gesell- schaftliche Transformationen vorantreiben soll, einen weit umfangreicheren Auftrag. Dies wird deutlich, wenn Künstler wie Florian Dombois neue Begriffe wie Poetic Understan- ding dem Verdikt der klassischen Wissensgenerierung gegen­ überstellen. Anstelle eines rein auf Ergebnisse orientierten Forschungsprogramms legt das Poetic Understanding den Fokus auf das Experimentelle und Ungewisse jedes wirk- lichen Forschens. An diesem Punkt ist, wie auch Sebastian Brändli, Amtschef des Hochschulamts des Kantons Zürich, zum Schluss zugeben musste, ein fundamentales Umdenken in Bezug auf die Rolle künstlerisch-forschender Praxis in der Gesellschaft notwendig. Die politische Notwendigkeit, Standards für die Vergabe von akademischen Titeln zu ent- wickeln, trifft hier auf ein Begehren nach neuen Denk- und Erkenntnisweisen, die sich nicht bereits bestehenden Wis- senskategorien unterordnen möchten. Sie verlangt nach der von Jean-Luc Godard aufgegriffenen Frage: «What is to be done?», nach einer Politik, die sich aus einer künstlerischen Forschungspraxis immer wieder neu erfinden kann und sich nicht allein über institutionell gemachte Kategorien definiert. * Dr. Christoph Brunner ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institute for Contemporary Art Research, Departement Kunst & Medien (christoph.brunner@zhdk.ch). Auf politischer Ebene lässt sich der 3. Zyklus in den ­Künsten mit dem Anspruch zukunftsweisender Forschung an Universitäten gleichsetzen. Wer ein PhD-Projekt in der künstlerischen Forschung anstrebt, muss sich auch mit der Neuauslegung klassischer akademischer Wissensformen befassen.

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