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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 2 – 2015

Hochschule / Zett 2–15 31 Umfrage: «Was meint Ihr zur Diplomwerbung?» Roman Imhof, Gestalter und Partner Varese Corridor: Erhitzte Gemüter und feurige Debatten wegen ein paar Sprayspuren und Zeitungsbildern? Gut so. Denn was polarisiert, muss wohl gesellschaftliche Relevanz haben. Wenn hier altbewährte Schweizer Typo mit Popfragmenten à la Rigozzi oder Tagging verschmol- zen werden, ist das Ausdruck eines zeitgenössischen, undogmatischen Designbewusstseins, das sich mit der eigenen Historie und Vielfalt versöhnt hat. Man versteht sich nicht mehr als erhabene Gralshüter der guten Form, sondern sucht auf unverkrampfte und spielerische Wei- se den Dialog mit der Aussenwelt und ihrem flüchtigen gestalterischen Vokabular. Felix Stalder, Dozent Bachelor Medien & Kunst, Mediale Künste: Zwei Elemente der Kampagne waren aus meiner Sicht konzeptuell problematisch. Die Gegenüberstellung von «drinnen» und «draussen». Dies suggerierte, dass die ZHdK als Institution und alle, die hier arbeiten und stu- dieren, nicht in vielfältiger Weise in gesellschaftliche Konflikte und Herausforderungen involviert seien. Die implizite Behauptung, dass Pressebilder die Wirklich- keit «da draussen» einfach nur abbilden würden. Damit stellte sich die Kampagne blind dafür, wie bestimmte Bilder wirken, dass sie etwa Rassismus und Sexismus reproduzieren und befördern. Für eine Kunsthochschule ist eine solche Haltung nicht angemessen. Fernando Scarabino, Präsident ­Studierendenrat SturZ: Das aktuelle Konzept spricht mich viel mehr an als das «X» von früher. Die erste Bilderauswahl war jedoch un- geschickt und hier hätten einige Menschen im Kader einlenken müssen. Dank der Kritiker hats aber allemal für Aufruhr in den Medien gesorgt. Kritik: Hat jemand den echten Spray bemerkt? Hannah Mehler, Studentin Bachelor Musik, Instrument/Gesang: Mein Gesicht ist klar auf einem der Plakate zu erkennen. Ich wurde nie gefragt, ob ich damit einverstanden bin, dass mein Kopf Werbung für die Schule macht. Na ja, ich sags mal so: Eigentlich interessiere ich mich nicht sonderlich dafür, trotzdem wäre ich im Vorfeld gerne informiert worden. Debbie Zedi, Leiterin Hochschul­ marketing ZHdK: Mir gefällt die Modularität des Konzepts: Die drei Ge- staltungselemente Bild, gelber Spray und Claim können vom jeweiligen Absender innerhalb der Leitidee frei ge- wählt werden. So bietet das Konzept viel Spielraum für individuelle Umsetzungen (der Departemente, Studien- gänge und Vertiefungen) und sorgt trotzdem für einen prägnanten gemeinsamen visuellen Auftritt. Ranko Markovic', Leiter Bachelor Musik: Es macht keinen Sinn, im Aussenauftritt, der auf die Bewerbung von singulären Einzelereignissen («Mein Diplomkonzert ist möglicherweise einmaliger als mei- ne Hochzeit!») abzielt, so zu tun, als wären alle Künste «gleich». Die vorliegenden Produkte entbehren jeglicher Aussage im Sinne des (musikalischen) Inhalts der Di- plomprüfungen und erzielten dementsprechend keine Wirkung. Vielmehr haben viele Absolventinnen und Ab- solventen ihre persönlichen Werbeprodukte entwickelt und verteilt, ohne sich um die ZHdK-Diplomwerbung zu kümmern. Magnus Rembold, Dozent Bachelor­ Design, Interaction ­Design und Game Design: Mein Eindruck: Visuelle Gestalter verkomplizieren ihre Produkte gerne. Sie imponieren mehr den anderen Ge- staltern, als lesbar und verständlich für Aussenstehende zu arbeiten. Die aktuelle Werbung finde ich um einiges besser. Beim Kreuzplakat haben viele angenommen, die Veranstaltung sei abgesagt. Auch wenn ich mich gerade als gestalterischer Banause offenbare. Michael Eidenbenz, Direktor ­Departement Musik: Es wäre mal eine Werbung zu wünschen, die auf Ironie verzichtet. Der notorische Werberzwang, lustig zu sein, führt zu Verniedlichung. Das gilt grafisch wie sprachlich: Ein Slogan wie «Hallo Welt» gibt eine betuliche Erfin- derperspektive wieder. Er passt nicht auf Studierende, die aus aller Welt kommen, oft schon in internationalen Karrieren stehen und es durchaus ernst meinen mit ihrer Profession. Guido Köhler, Dozent Bachelor ­Design, Scientific Visualization: Die Diplomwerbung war zwar sehr klar, hat aber einmal mehr zu einseitig mit typografischen Elementen gear- beitet, was der künstlerisch-pluralistischen Ausrichtung der ZHdK nicht gerecht wird – ausserdem kam sie für mich zu spät. Jalscha Römer, Absolventin 2015 Bachelor Design, Visuelle Kommuni- kation: Die Vorwürfe seitens des Kontrakomitees konnte ich in keinem Falle nachvollziehen: Die Diplomwerbung sollte den Umgang mit den heutigen Medien in den Fokus rücken und hat durch die Wahl der Bilder ironisch auf- gezeigt, was für einer reisserischen Bilderflut wir heute ausgesetzt sind und kaum mehr hinsehen. Diese Motive in den Kontext einer Kunsthochschule zu stellen, war genau das richtige Mittel, um aufzufallen: Die Diplom- werbung der ZHdK war in aller Munde. Die Motive hät- ten gerne noch provokanter sein können. Der Werbung vorzuwerfen, sie sei sexistisch, nur weil eine Christa Rigozzi mit Kusshand darauf abgebildet ist: Das ist für mich Sexismus. Wäre es nämlich ein Mister Schweiz gewesen, hätte darüber niemand ein Wort verloren. Die Vorwürfe empfanden meine Kommilitonen und ich als engstirnig und überhaupt nicht konstruktiv. Corina Zuberbühler, Leiterin ­Bachelor Design: Die grosse Resonanz, auf welche die Kampagne ge- stossen ist, spricht für sich: Die Diplomwerbung war trotz oder gerade wegen der umstrittenen Thematik als solche äusserst erfolgreich und hat mit Sicherheit zusätzliche neugierige Besucher ins Toni-Areal gelockt. Christian Brändle, Direktor Museum für Gestaltung: Vorgegeben war ein Gestaltungsrezept. Als visuelle Strategie ist dies einleuchtend und es hat, je nach Kreativität der Umsetzung, auch gut funktioniert. Dass selbst diese Kampagne von einzelnen Exponenten der Hochschule für eine Sexismus/Rassismus-Debatte (Stichwort «Baci, Christa») genutzt wurde, war hin- gegen schlicht missbräuchlich und kontraproduktiv. Auf diesem Niveau verhandelt, führt dies einzig dazu, dass immer mehr Menschen zum Schluss kommen, dass unsere Gesellschaft gar keine entsprechenden Probleme habe. Marianne Mueller und Jörg Scheller, Leitung Fotografie, Bachelor Medien & Kunst: Pressefotografie ist kein visuelles Esperanto. Keines- falls kann sie ohne sorgfältige Kontextualisierung eine hybride Organisation wie die ZHdK repräsentieren. Zukünftige Diplomwerbung sollte nach aussen besser typografische und grafische Akzente setzen und nach innen die Profile der einzelnen Departemente betonen. Thomas Schlup, Student Master Art Education, Kultur­publizistik: Die Diplomwerbung erinnerte mich an die Einladung zu einer Aktionärsversammlung. Alles dem langweiligen CD/CI untergeordnet. Unterwältigend. Da hilft auch gelbe Sprayfarbe nicht mehr. Für eine Kunstschule nicht gerade ein Aushängeschild. David Jäggi, Student Bachelor Design, Style & Design: Mich sprach die diesjährige Diplomwerbung sehr an. Womöglich fehlt mir allerdings das nötige Feingefühl, böse «-ismen» zu erkennen. Oder die Zeit dafür.

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