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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 2 – 2015 - Von der Quantelung des Klangs

Zu Besuch im Kompositionsunterricht bei Isabel Mundry

46 Zett 2–15 / Musik Von der Quantelung des Klangs Zuhören. Nachhaken. Reflektieren. Herzlich lachen: im Kompositionsunterricht bei Isabel Mundry. Eine Momentaufnahme von Daniela Huser* Zum Urknall schwarzfahren Ein Königreich für eine Tarnkappe! Was man alles anstellen könnte damit … Eine Nacht allein im Museum Rietberg ver- bringen. Das Doppelspaltexperiment austricksen. Oder einem Schöpfungsakt beiwohnen, ganz unbemerkt. Dem Wunsch folgend, begibt sich die Schreibende in einen der zahlreichen Räume des Toni-Areals, in dem in intimem Rahmen an der Schöpfung eines neuen Werks gearbeitet wird. Dem Rauschen lauschen Draussen ein Lichthof mit Einblick in die Räume gegenüber. Wo einer Geige spielt, als ginge es um sein Leben. Im Raum: eine Tafel, ein Klavier. Und ein Tisch, bedeckt mit Notenblät- tern. Noch ganz jung ist die Komposition, die da liegt. He- rangewachsen zu einem Stück, soll das jetzt noch namenlose Werk von Master-Student Micha Seidenberg im Dezember uraufgeführt werden – eingebettet in die Lange Nacht der Interpretation zeitgenössischer Musik, welche die Komposi- tionsklassen der ZHdK mit ihren Stücken an verschiedensten Orten im «Toni» gestalten. Micha erläutert Dozentin Isabel Mundry, wo er steht in seiner Arbeit; die Mitte des bereits Notierten macht ihm zu schaffen. Mundry hört zu. Fragt nach. Kreist ein. Bis sie herausschält, was ihren Studenten beschäftigt. «Der Anfang eines Stückes ist fast nie beliebig – der erste Gedanke, die hingeworfene Idee, das erzeugt Evidenz. Und hier will das Stück weiter- gehen, weiss aber nicht, woher es seine nächsten Impulse nehmen, wie es sich wach halten soll.» Micha nickt. Gravitationsfeldern entkommen Der Anfang sei stimmig für ihn, meint Micha. «Ich hatte ja ein Klangkonzept, diesen Vokalklang als Leitthema …» Hier aber drifte es dann auseinander. Rat suchte er bei von ihm ge- schätzten grossen Werken, er ringt um Proportionen, verfolgt mal diesen, mal jenen methodischen Pfad und hält Ausschau nach Wegen aus der Gefahrenzone der Beliebigkeit. Bis wohin er bereit sei zurückzugehen und umzuschreiben, fragt Mundry Micha, der den Anfang behalten möchte, so viel ist klar. Da wähle er, sagt Mundry, wohl den schwierigsten Weg, wenn er im laufenden Stück die Kategorie seines Schrei- bens ändern wolle. «Denk dir ein wildes Gelände, auf dem du einen Garten planst; nicht alles herausrupfen, sondern irgendwo anfangen, das Wilde in eine Form zu bringen. Wie gehst du vor?» – «Ich schaue mir den Garten von oben an …, fokussiere auf die formbildenden Elemente und schaffe dann Platz.» Gesagt, getan – man steht auf und betrachtet das Gan- ze von oben. Ist sich einig, wo man bislang verloren ging, wo gestaltet und gerupft werden soll. Planeten erkunden Über der allseits bekannten Musikschrift in Schwarz mit seil- tanzenden oder zu Akkorden gestapelten Noten liegt eine andere, bildhaft grafische Version. Deren Farben und Formen,

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