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Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste – 2 – 2015

Musik / Zett 2–15 47 Muster und Strukturen veranschaulichen, was dasteht, und helfen beim Nachdenken über formalästhetische Aspekte. Pfade werden nun angelegt im Versuch, die vermaledeiten Beliebigkeiten im Gestrüpp der Noten freizulegen. Das Duo Mundry-Micha verfolgt Figuren auf- und abwärts, mäan- driert um wichtige Noten, die verrauscht sind, «weil so die musikalischen Gesten besser gefallen», wie Micha erklärt – und begibt sich schliesslich an die Tafel. Eine Karte anlegen «Du hast da eine Idee …» – Mundry beginnt zu notieren – «… da sind Dinge, die sind harmonisch …» – neue Elemente werden hinzugefügt – «… als Aggregatszustände gedacht …» – da braut sich was zusammen an der Tafel – «… und hier kannst du überlegen, ob du jetzt anfängst, den Rhythmus dieser Er- eignisse zu skizzieren …» – toc, toc, toc tanzt der Stift zum Finale, als Micha ein Licht aufgeht: «Ein Rhythmus der Ge- sten, nicht der Figur – das ist super!» Im Geiste erfrischt, geht es weiter an der Tafel. «Hierüber ex- tra nachdenken … das hier scharf stellen … dann ist schon mal etwas fertig von deiner Musik. Wenig agieren, dann kannst du auch hier was retten … und hier wird der Rhythmus jetzt auch Architektur … Du kannst ihn nun aber mit der gleichen Haltung schreiben wie den schlüssigen vom Anfang, kannst also sozusagen deine eigene Handschrift zur Architektur machen.» Zu Heisenberg reisen Die beiden streifen weiter durch den Garten, der im Werden möglich ist, zunehmend Gestalt erahnen lässt. Kriterien mö- gen noch gesetzt, Richtungswechsel vorgenommen werden, Figuren könnten neu kreiert und Tempi unabhängig gedacht werden. Die Harmonik aber lässt die beiden nochmals inne- halten. «Sie scheint dir zu wenige Töne zur Verfügung zu stel- len», so Mundry. Rat holt man sich bei Meister Bach, dessen Dissonanzen die Harmonik in der Wirkung gar bestätigen. «Denk dir Unschärferegeln, nein, besser noch Unschärfeer- laubnisse aus – auch der Garten wird reicher, wenn um die Rosen etwas Unkraut wächst.» Tautologisch werde es, wo alles vertikal akkordisch geregelt sei und die Figuren bestä- tigten, was sie ermöglichen sollten. Die Zeit weiterdenken Noch einmal stecken die beiden die Köpfe zusammen. Hören zu, haken nach, reflektieren, wie Micha weiterfahren soll. Er sinniert: «Hier könnte die dritte grosse Entwicklung be- ginnen … und hier muss sie abschliessen, sich anders heraus- formen. Oder ich mache so weiter, mit einer anderen Har- monik. Es steht doch schon enorm viel da, das sind aber erst ganz wenige Minuten …» Im «Toni» landen «Klickklick» meint die Kamera der Fotografin dazu und holt mich zurück ins «Toni». So verlasse ich das Raumschiff mit Mundry und Micha und freue mich auf die nächste Reise: Die lange Nacht im Dezember mit den neusten Werken der Kompositionsstudierenden! * Daniela Huser ist Kommunikationsbeauftragte Departement Musik (daniela.huser@zhdk.ch). Lange Nacht der Interpretation zeitgenössischer Musik Freitag, 4. Dezember, 18–24 Uhr, diverse Räume im Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 96, Zürich. Eintritt frei, Kollekte Uraufführungsabend Freitag, 15. Januar 2016, 19.30 Uhr, Toni-Areal, Konzertsaal 3, Ebene 7, Pfingstweidstrasse 96, Zürich Ensemble Arc-en-Ciel unter der Leitung von Johannes Schlaefli und seiner Dirigierklasse. Eintritt frei, Kollekte Dozentin Isabel Mundry arbeitet mit starken Bildern, wenn sie Kompositionsstudent Micha Seidenberg auf dem Weg zu einer eigenen Komposition begleitet. Fotos: Betty Fleck

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